Tipps für heikle Situationen

Hier finden Sie viele Informationen und Antworten, wenn ein Angehöriger von Ihnen einer kriminellen Handlung beschuldigt oder verurteilt wurde, wenn Sie gerade aus der Haft entlassen worden sind oder wenn Sie Opfer von Kriminalität geworden sind.

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Kontroverse



Heikle Fragen, klare Antworten. Zu den Themen Verbrechen und Strafe, Sicherheit und Ordnung, Täter und Opfer.

Strafe muss sein! Nur harte Strafen schrecken ab. Wer eingesperrt wird, hat es auch verdient.
Strafe macht nur dort Sinn, wo sie auch etwas Positives bewirkt. Bloß „ein mit Tadel verbundenes Übel zufügen“, jemanden demütigen oder gar brechen zu wollen bedeutet, die Gewaltspirale höher zu drehen. Gewalt schafft dann Gegengewalt – neue Opfer sind die Folge. Abschreckung bedeutet, dass sich jemand kurzfristig zurückzieht; langfristige Änderung des Verhaltens durch Einsicht findet dann nicht statt. Die Ermittlungstätigkeit der Polizei ist für die Abschreckung wesentlich relevanter als hohe Strafdrohungen durch Gerichte. Mit den Folgen der Tat konfrontiert zu werden, Schadenswiedergutmachung zu leisten und bei den eigenen Problemen konkrete Hilfe zu erfahren hilft mehr und länger.
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Keiner sitzt seine Strafe voll ab. Die meisten werden doch vorzeitig entlassen. Und denen, die sitzen, geht es ohnehin gut – mit Fernseher und Computer in der Zelle.
Die überwiegende Mehrheit sitzt bis zum letzten Tag. Oft ohne Hoffnung auf eine vorzeitige Entlassung. Freiheitsentzug ist kein Kuraufenthalt, die Bedingungen sind hart. Und die Haftstrafe bietet keine Anregung für ein besseres Leben danach an. Sie arbeitet nicht an den Ursachen und der Situation der Insassen, um ihr Leben zu verbessern. Jemanden für etwas, das er angestellt hat, leiden oder büßen zu lassen bleibt kalter Sadismus, wenn es nicht auch die Chance gibt, sich zu bewähren.
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Ihr seid Sozialromantiker, die eine gefängnislose Gesellschaft wollen. Ihr paktiert doch mit den Verbrechern. Wer will, führt seinen Bewährungshelfer an der Nase herum.
Ein Sozialarbeiter träumt nicht von einer besseren Welt, er handelt. Nicht naive Sympathie mit „dem Bösen“ motiviert diese Menschen, sondern die tägliche Erfahrung, dass eine ausgestreckte Hand mehr bewirkt als eine drohende Faust. Längst sind Sozialarbeiter (auf einer Fachhochschule ausgebildete) Realisten wenn es darum geht, langfristig Positives zu initiieren. Die gefängnislose Gesellschaft ist eine Vision. Die Umsetzung von Alternativen zum Gefängnis ist die tägliche Praxis.
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Die Angst der anständigen Bevölkerung kümmert keinen. Kriminelle darf man nicht in die Nähe von Spielplätzen und Schulen lassen. Die Bevölkerung hat das Recht, zu wissen, wenn ein Sexualstraftäter in der Nachbarschaft wohnt.
Angst kann man nicht wegargumentieren. Angst entsteht aus einer tiefen Unsicherheit darüber, das Leben nicht in allen Facetten im Griff zu haben. Die kriminelle Bedrohung ist nur eine dieser vielen Facetten. So wird die reale Bedrohung zahlenmäßig weit überschätzt. Die Gewissheit, dass andere nicht nur zuschauen, wenn einem etwas zustößt, ist die einzige Stütze gegen diese Angst. Zivilcourage ist also gefragt und kein Überwachungsstaat, der uns allen Freiheit nehmen würde.
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Für Sexualdelikte darf es kein Pardon geben. Wer einmal missbraucht hat, wird es wieder tun. Kinderschänder gehören kastriert oder mit Medikamenten ruhiggestellt.
Die Verletzung der körperlichen Integrität und Würde ist für eine Frau wohl eine der schlimmsten Erfahrungen, die sie in ihrem Leben machen kann. Egal ob als Mädchen oder als erwachsene Frau. Kein erdenkliches Leid, das man dem Täter zufügen könnte, würde dieser Frau oder diesem Mädchen weiterhelfen. Sie brauchen unsere Solidarität für den Tag danach. Kein Mitleid, sondern konkrete Hilfe. Sexueller Missbrauch beginnt im Kopf – und vielfach sind Missbrauchstäter als Kind selbst Opfer gewesen. Kastration, Medikation oder Ausgrenzung durch empörte Nachbarn würden das eigentliche Problem nicht lösen.
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Wer kriminell ist, hat in Österreich nichts zu suchen. Kriminelle Ausländer gehören sofort abgeschoben. Wieso soll ich als Steuerzahler für Kriminelle aufkommen?
Was fremd ist, macht Angst. Angst macht aggressiv. Ausländer sind nicht bedrohlicher als Österreicher, sie sind anders. Eine „zweite Chance“ haben auch diese Mitmenschen verdient. Nicht mehr und nicht weniger. Oft haben wir ihnen schon nicht die erste Chance gegeben und deshalb ist ihr Neuanfang misslungen.
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Die Täter werden mit Samthandschuhen angefasst, die Opfer sind allen egal. Ein Opfer leidet auch ein Leben lang. Wer die Täter vertritt, kann nicht gleichzeitig für Opfer da sein.
Keiner von uns kann für sich oder seine Familie ausschließen, Täter oder Opfer zu werden. Jeder muss sich deshalb für den Tag danach etwas überlegen. Für sich oder für seine Kinder. Vergeltungsdenken oder Verdrängung helfen dann nicht weiter. In so einem Fall soll einfach jemand da sein. Auch dann, wenn wir oder unsere Kinder es am wenigsten verdienen. Hilfe für Täter und Opfer ist kein Widerspruch. Sie ist letztlich notwendige Hilfe für Menschen in Extremsituationen, sei es als Opfer oder als Täter.
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Beim Tatausgleich wird doch das Opfer über den Tisch gezogen. Der Täter erspart sich eine Verurteilung. Aber was hat das Opfer davon?
„Ich sehe, warum er es getan hat. Er hat mir Angst gemacht, er hat mich wütend gemacht. Jetzt sucht er verschämt eine Chance, sich zu entschuldigen. Jetzt will er etwas tun, um es wiedergutzumachen. Erst jetzt nachdem ich seinen Willen erlebt habe kann ich verzeihen. Vergessen werde ich die Sache nie – aber sie hat eine neue Bedeutung bekommen.“ sagt ein Opfer nach einem Tatausgleich.
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Einmal Verbrecher, immer Verbrecher. Wer kriminell wird, hat jeden Vertrauensvorschuss verspielt. Wer ein reines Gewissen hat, braucht sich auch vor Überwachung nicht zu fürchten.
Wenn es so einfach wäre, dass „einmal Verbrecher, immer Verbrecher“ gelten würde, bräuchten wir all diese Gedanken nicht. Das Leben ist anders. Menschen ändern sich, in die eine oder andere Richtung. Wenn wir Richtungen vorleben haben wir eine Chance, die Veränderung positiv zu beeinflussen.
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ENDE FAQ

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