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Kriminell, das sind die anderen

Mag. Bernhard Glaeser - 5.7.2017 08:41

Kürzlich gipfelte ein persönliches Gespräch über das Thema Flüchtlinge in der Aussage „Wir brauchen keine Flüchtlinge in Österreich, die sind nur kriminell! Und die Vergewaltigungen begehen hauptsächlich die Afghanen – das können Sie in der Zeitung lesen".

 

Österreich ist ein sehr sicheres Land. Dennoch gibt es hohe Kriminalitätsfurcht in der Bevölkerung. Eine Studie von Furian et al. (2012) ergibt, dass sich 26 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher „sehr unsicher" und 16 Prozent „ein bisschen unsicher" fühlen, wenn sie im Dunkeln spazierengehen. Diese Werte sind über die Jahre recht stabil. Interessant dabei ist: Obwohl zum Beispiel in der Schweiz, in Dänemark, Finnland, den Niederlanden und Schweden die Anzeigenrate höher ist, ist die Kriminalitätsfurcht geringer. Ein Unsicherheitsgefühl ist offenbar weit verbreitet; die Kriminalstatistik weist in den meisten Bereichen seit Jahren eindeutig deutlich sinkende Werte auf.

 

Durch neue ins Strafgesetzbuch aufgenommene Delikte, neue Gesetzesdefinitionen und neu auftretende Phänomene (Cyberkriminalität, sexuelle Belästigung, Verhetzung, Handyraub ...) sowie erhöhte Kontrolle durch Polizei und Überwachungstechnik kommen mehr Straftaten zur Anzeige.

 

Die Gesamtzahl aller Anzeigen (polizeilich bekannt gewordene Straftaten) ist 2016 insgesamt um 3,8 Prozent gegenüber 2015 gestiegen. Laut Kriminalstatistik des Bundesministerium für Inneres sind jedoch die Anzeigen von 2007 (592.636) bis 2016 (537.792) um beinahe zehn Prozent gesunken – obwohl die Bevölkerung seit 2004 um 7,4 Prozent (605.000 Personen) gewachsen ist.

 

2016 waren 39,1 Prozent der ausgeforschten Tatverdächtigen Fremde: 11.021 Rumänen, 9.724 Deutsche, 9.557 Serben, 6732 Türken, 5.973 Afghanen, 5.435 Bosnier, 4.786 Ungarn, um die am stärksten vertretenen Staatsangehörigen zu nennen. Unterteilt nach Aufenthaltsstatus der fremden Tatverdächtigen hat die Gruppe der Asylwerbenden 2016 die höchste Zunahme zu verzeichnen. Die Zahl stieg in einem Jahr um 54,2 Prozent von 14.458 auf 22.289 tatverdächtige Asylwerbende im Jahr 2016. 2007 wurden 8.679 Asylwerbende als Beschuldigte registriert. Bei den Straftaten mit Asylwerbern als Tatverdächtige handelt es sich in erster Linie um § 127 StGB Diebstahl (4.684 Tatverdächtige), gefolgt von § 83 StGB Körperverletzung (3.551) und dem Verstoß gegen § 27/1 Suchtmittelgesetz (3.310). 164.609 ermittelte Tatverdächtige im Jahr 2016 waren Österreicher und stellen damit nach wie vor mit 60,9 Prozent den überwiegenden Anteil der Tatverdächtigen.

 

In dem eingangs erwähnten Gespräch wurde auch argumentiert, dass wir in Österreich wegen der Flüchtlinge nicht mehr sicher sein können. Eine Analyse der Opfer von Straftaten mit Asylwerbenden als Tatverdächtigen zeigt, dass 2016 insgesamt 6.121 Opfer registriert wurden. Die Opfer dieser Asylwerber: 1.626 (26,6 Prozent) österreichische und 4.495 fremde Staatsangehörige. Unter den 4.495 fremden Opfern befinden sich wiederum 3.653 Asylwerbende.

 

Durch die Neuformulierung des Paragrafen „Sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen" (§ 218 StGB) ist die Zahl der Anzeigen nach diesem Paragrafen von 1.228 im Jahr 2015 um über 56 Prozent auf 1.918 Anzeigen im Jahr 2016 angestiegen. Die Zahl der Anzeigen wegen ausgewählter Delikte gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung (§§ 201, 202, 205, 206, 207, 207a und 207b StGB) ist nach einem Rückgang 2015 im Vorjahr gestiegen. Wurden 2015 noch 2.376 Fälle angezeigt, so waren es 2.732 Anzeigen im Jahr 2016. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent. Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten liegt bei 86 Prozent.

 

Nun zu den Anzeigen wegen Vergewaltigung (§201 StGB). Hier stehen aktuell die Zahlen aus dem Jahr 2015 zur Verfügung. 2015 wurden von 826 angezeigten Vergewaltigungen (658 geklärte Fälle) in Österreich 408 österreichische und 250 fremde Tatverdächtige ausgeforscht. 39 dieser Tatverdächtigen waren Asylwerber, davon 16 afghanische Asylwerber.

 

Gerade in Wahlkampfzeiten wird gerne mit Angst um Stimmen gebuhlt. NEUSTART steht für einen rationalen Umgang mit Kriminalität: Nicht naiv zu verleugnen, aber auch nicht hysterisch zu reagieren – und basierend auf Fakten zu diskutieren. NEUSTART steht für Prävention und Verhinderung von Straftaten – und somit Verhinderung von Opfern.

 

Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

 

 

Quellen:

Kriminalstatistik Bundesministerium für Inneres 2016

http://www.bmi.gv.at/cms/BK/publikationen/krim_statistik/2016/Web_Sicherheit_2016.pdf

 

Sicherheitsbericht Statistik und Analyse 2015

http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_Service/SIB_2015/Kriminalitaetsbericht_Statistik_2015.pdf

 

Gerald Furian et al. (2012), Der Präventionsmonitor. Ergebnisse einer österreichweiten Befragung zu Kriminalitätsfurcht und Opfererfahrungen, SIAK-Journal − Zeitschrift für Polizeiwissenschaft und polizeiliche Praxis (4), S. 48-59

http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_SIAK/4/2/1/2012/ausgabe_4/files/Furian_4_2012.pdf

 

 

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