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Blog und Diskussion

Ablaufdatum für menschliches Leben

Dr. Kristin Henning - 3.5.2017 14:09

In Arkansas wurden im Vormonat vier zum Tode verurteilte Häftlinge hingerichtet. Der Grund: Die Haltbarkeit eines für die Giftinjektionen benötigten Medikaments (dessen Lieferung die Herstellerfirmen aus ethischen Gründen mittlerweile verweigern) lief Ende April 2017 ab. Dass niemand auf die Idee gekommen ist, statt der Todeskandidaten die ablaufenden Medikamente zu „entsorgen", ist mehr als zynisch. Eigentlich hätten acht Häftlinge zu Tode gebracht werden sollen. Vier hatten das Glück, dass ihre Hinrichtung gerichtlich ausgesetzt wurde. Die Sinnhaftigkeit und Rechtmäßigkeit der Todesstrafe wird immerhin auch in den USA kontrovers diskutiert. In der Türkei gibt es dafür Bestrebungen, die Todesstrafe einzuführen. Ein gängiges Argument für die Todesstrafe ist, dass bei einer Tat wie der Tötung eines Kindes oder bei einer Vergewaltigung nur die Todesstrafe „gerecht" sei.

 

Unser Strafrecht baut aus gutem Grund nicht auf dem Prinzip der Rache auf. Strafe dient in gewisser Weise auch der Vergeltung und dem Rechtsfrieden in einer Gesellschaft, in erster Linie aber der Prävention vor weiteren Straftaten. Gerade schwere Gewaltdelikte werden oft aus dem Affekt heraus begangen; das heißt aber auch, dass der Täter keine Kosten-Nutzen-Analyse vornimmt und sich der Konsequenzen (der Todesstrafe) bewusst ist.

 

Die unterschiedliche Entwicklung Kanadas (schaffte die Todesstrafe 1976 ab) und der USA zeigt, dass die Todesstrafe keine Sicherheit schafft. Die Mordrate steigt nicht, wenn die Todesstrafe abgeschafft wird. Die (leichte) Verfügbarkeit von Schusswaffen ist ein viel größeres Sicherheitsrisiko als der potentielle Schutz der vermeintlich abschreckenden Wirkung der Todesstrafe. Darüber hinaus stellt sich natürlich auch die ethische Frage des Tötens, das nicht durch staatliches Handeln legitimiert werden kann und das nicht nur, weil Fehlurteile nie ausgeschlossen werden können.

 

Natürlich ist der Schutz vor weiteren Straftaten ein wichtiges Ziel des Strafrechts und der Strafe. Umso wichtiger ist es, dass die Strafen in einer Weise vollzogen werden, die den Rückfall tatsächlich senkt. Sozial konstruktive Alternativen zu fördern oder aber Maßnahmen, die die Resozialisierung im Vollzug fördern (Ausbildungen, Therapien) sind somit sinnvoll und schaffen mehr Sicherheit.

 

Dr. Kristin Henning ist Leiterin von NEUSTART Tirol

 

 

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