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Blog und Diskussion

Happy Slapping

Mag. Bernhard Glaeser - 30.11.2016 06:51

Die Medien berichteten von dem Mädchen, das von anderen Jugendlichen krankenhausreif geschlagen wurde. Das brutale Geschehen wurde gefilmt und über soziale Medien verbreitet. Es gibt dafür einen eigenen, aus meiner Sicht menschenverachtenden Begriff: „Happy Slapping“, also „fröhliches Abwatschen“. Jugendliche wollen Aufmerksamkeit durch Popularität im Internet erreichen, indem sie Grenzen überschreiten und ein Mädchen verprügeln – um eines Videos willen.

 

Welche Grenzen müssen verloren gegangen sein, wenn Jugendliche auf ein wehrloses Opfer losgehen und auf dieses einschlagen? Wie sehr fehlt hier ein Grundvokabular an Einfühlungsvermögen und Mitleidsfähigkeit? Hier wird die Würde eines Menschen verletzt, durch die Tat genauso wie durch die millionenfache Verbreitung des Dokuments der Erniedrigung.

 

Das verletzte Mädchen erhält jetzt hoffentlich alle Unterstützung, um mit diesem traumatisierenden Geschehen umgehen und die mehrfache Demütigung und Verletzung möglichst gut verarbeiten zu können. Den Täterinnen und Tätern muss deutlich gemacht werden, was sie angerichtet haben. Ich kann mir so eine Tat nur dadurch erklären, dass diese jungen Menschen in ihrem bisherigen Leben selbst zu viel Demütigung, Gewalt und viel zu wenig Anerkennung erfahren haben. Mehr als fünf Millionen Klicks auf das Video im Internet zeigen, dass viele Menschen sich solche Bilder ansehen. Für die Täterinnen und Täter ist damit wohl die bedauernswerte Illusion von Berühmtheit und Anerkennung verbunden. In Wirklichkeit zeigt das, dass es neben ihnen noch viele Menschen gibt, für die brutale Grenzüberschreitungen einen besonderen Kick in einer reizüberfluteten Welt darstellen.

 

Statistiken zeigen, dass die Jugendkriminalität sinkt. Grenzwertige Phänomene erhalten durch neue Medien zunehmend eine andere Qualität: Menschen scheinen zu glauben, mit geschmacklosen bis gewalttätigen Grenzüberschreitungen Popularität erringen und so aus der öffentlichen Vergessenheit heraustreten zu können. Online-Auftritte – auch klassischer, seriöser Medien – erregen durch Meldungen über solche Vorfälle ebenso Interesse. So potenziert sich die Aufmerksamkeit.

 

Die große Herausforderung für uns alle liegt darin, diese eklatante Fehlentwicklung zu stoppen. Menschen, die in ihrem Leben ausreichend Anerkennung, Liebe und Geborgenheit erfahren durften, konnten ein gutes Selbstwertgefühl und Einfühlungsvermögen in die Situation anderer entwickeln. Sorgen müssen wir uns um die Kinder, die geschlagen, vergessen, gedemütigt und lieblos behandelt werden. Sie brauchen dringend gute Betreuung, im Rahmen derer sie das ABC des achtsamen menschlichen Zusammenseins lernen können. Wenn sie diese Sprache zu sprechen gelernt haben, werden sie es vermutlich nicht über’s Herz bringen, ein wehrloses, ihnen ausgeliefertes Opfer zu verprügeln und stolz auf das Video dieser erniedrigenden Aktion zu sein.

 

Mag. Bernhard Glaeser ist Leiter des Zentralbereichs Sozialarbeit von NEUSTART

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