Dr. Heinz Fischer , Bundespräsident, erster Nationalratspräsident (1990-2002)

Anlässlich der ersten Christian Broda-Vorlesung zum Thema „Welche Reformen braucht die Demokratie heute?“, März 1996:
"… Die Tat isoliert zu betrachten und am Täter Rache zu üben, ist das Charakteristikum aller primitiven Gesellschaften. Je höher entwickelt eine Gesellschaft ist, um so mehr geht sie auch auf den Täter ein, sucht sie den individuellen und gesellschaftlichen Ursachen von Kriminalität nachzuspüren und die Sicherheit der Gesellschaft dadurch zu vergrößern, dass nicht nur am Täter Rache vollzogen wird, sondern im Besonderen versucht wird, Kriminalität von der Wurzel her zu bekämpfen – im vollen Bewusstsein, dass man kriminelles Verhalten niemals völlig wird beseitigen können. (…) "Helfen statt strafen" heißt nicht, dass unsere Gesellschaft auf Strafe völlig verzichten kann. Wohl aber heißt es, dass Strafe nur eines von mehreren Instrumenten ist, um kriminelles und asoziales Verhalten zu bekämpfen. Und es heißt insbesondere, dass Strafe nicht vollzogen werden soll, ohne sich vorher und nachher um den Straffälliggewordenen zu kümmern, der niemals aufhört, ein Mensch zu sein."




