Die Haftentlassenenhilfe: der Weg zurück.
"Die wirkliche Strafe fängt erst nach der Haft an"; so sehen viele Haftentlassene ihren schier aussichtslosen Weg zurück in die Gesellschaft. Eine Freiheitsstrafe reißt den Häftling aus seinem bisherigen Leben. Am Tag der Entlassung stehen die meisten völlig alleine und beinahe mittellos da. Ohne Familie, ohne Freunde, ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Wohnung soll der Haftentlassene diesen NEUSTART meistern.

Zuhören statt wegsehen:
NEUSTART ist da, bevor es brenzlig wird
Beispiel
Richard ist nach zwei Jahren Gefängnis aus der Haft entlassen worden. Jetzt ist er zwar in Freiheit, aber ohne soziale Kontakte, ohne Wohnung, ohne Arbeit und ohne Geld. In Österreich wurden im Jahr 2007 13.331 Menschen aus der Haft entlassen. Fast alle träumen von einem neuen Anfang. Tatsache ist, dass leider oft ein Albtraum folgt. Zuerst entlassen, dann fallen gelassen, heißt für viele die traurige Realität.
Erinnerung (.mp3)
Rückfall (.mp3)
Freiheit (.mp3)
Gefangen (.mp3)
Aus einer Haft (.mp3)
NEUSTART hilft dabei, die Hürden zu überwinden.
Aus der Haft entlassen - und was dann? Wo kann ich übernachten oder wohnen, habe ich Anspruch auf finanzielle Unterstützung, bin ich versichert? Fragen über Fragen. NEUSTART hilft weiter. Hier ein paar Tipps:
Folder Haftentlassenenhilfe mit Tipps für die ersten Tage in Freiheit
Stellen Sie sich vor: Monate- oder sogar jahrelang war jede Minute Ihres Tages von der Anstaltsordnung einer Justizanstalt bestimmt. Aufstehen, Frühstück, Bewegung im Freien, Tätigkeit in der Küche, Abendessen, schlafen Gehen. Nichts wurde von Ihnen selbst geplant und entschieden. Jetzt stehen Sie auf Grund eines eher plötzlich gekommenen Entlassungsbeschlusses heraußen. Endlich! Sie haben sich so auf diesen Moment gefreut. Da bemerken Sie, dass unangenehme Fragen in Ihrem Kopf auftauchen: Wie finde ich eine Wohnung, einen Job? Mögen mich meine Freunde noch, meine Familie? Wie weit komme ich mit dem Entlassungsgeld, was ist dann? Und all die Formulare, Ausweise, Meldezettel, die zu besorgen sind! Es könnte jetzt auch ganz schön schwer werden.
Arbeitslos
Unter 25-jährige bleiben zu 60 Prozent straffrei, wenn sie rasch nach der Entlassung neue Arbeit finden. Wenn nach der Haft keine Arbeit gefunden werden kann, beträgt die Rückfallsrate 67 Prozent. (Siehe etwa Hammerschick/Lechner/Pilgram/Riesenfelder, 1998, Berufliche und kriminelle Karrieren; Hirtenlehner/Eisenriegler/Spieler, 1998, Zur Lage straffälliger Personen am Arbeitsmarkt) Vor allem die oftmals geringe Ausbildung und die lange Unterbrechung des Arbeitsprozesses stellen sich als Hindernis bei der Suche nach Arbeit heraus.

"Wir packen es an":
NEUSTART Arbeitstrainings helfen beim Jobeinstieg
Ein sehr harter Übergang führt jeden Entlassenen von drinnen nach draußen. Dieser Bruch in der Lebensweise buchstäblich von einem Tag auf den anderen stellt eine enorme Belastung dar, die nicht selten zu psychischen Krisen führt. Klar, dass es dann umso schwerer wird, wieder Fuß zu fassen in der Welt.
Die Haftentlassenenhilfe setzt hier an und versucht schon rechtzeitig vor der Entlassung den Kontakt herzustellen und mit Bildungs-, Arbeitstrainings- und Beratungsangeboten eine Begleitung zu organisieren, die über den Zeitpunkt der Entlassung hinaus kontinuierlich aktiv bleibt. Der Weg nach draußen soll etwas gleichmäßiger und geplanter verlaufen als bisher und die Aktivitäten des Projekts sollen die Klienten auf die Welt "draußen" bestmöglich vorbereiten.
(mehr Infos zu Fahrradwerkstatt und Arbeitstraining)
kritische Phase Haftentlassung
Nach der Haftentlassung ist die Gefahr eines Rückfalls besonders hoch. Studien belegen, dass die Rückfallgefahr nach Haft größer ist als nach einer bedingten Freiheitsstrafe, nach einer Geldstrafe oder gar nach diversionellem Vorgehen. Das wurde sowohl inner- als auch außerhalb Österreichs festgestellt. Die Untersuchungen streuen von 40 bis 70 Prozent Rückfälligkeit, je nach Beobachtungszeitraum und Rückfallbegriff. Eine Wiederkehrerquote in Haft von etwa 40 bis 50 Prozent wird allgemein als realistisch angenommen. (Siehe etwa Pilgram/Hofinger, 2009, Die neue österreichische Wiederverurteilungsstatistik; Hofinger/Neumann, 2008, Legalbiografien von NEUSTART Klienten)
Die erste Phase nach der Haftentlassung ist weichenstellend. Bei vielen Klienten entscheidet sich hier, ob die Integration erfolgreich verlaufen wird, oder ob sich psychosoziale Probleme neuerlich zuspitzen. Das sogenannte "Entlassungsloch" ist nicht für alle Personen gleich riskant. Es gibt Entlassene, die über ausreichend Ressourcen verfügen, um diese Situation zu bewältigen. Ihnen genügt es zu wissen, dass es NEUSTART für den Fall der Fälle gibt, wie sie dorthin kommen und was sie dort erwartet. Bei vielen Insassen lässt sich eine kritische Situation nach der Entlassung mit ausreichender Sicherheit vorhersagen. Das wird in Gesprächen mit dem Sozialen Dienst der Justizanstalt abgeklärt.
Leistungen der Haftentlassenenhilfe
- Erstberatung: innerhalb der letzten sechs Monate vor der voraussichtlichen Entlassung für alle Insassen, die sich nach der Entlassung in Österreich aufhalten werden.
- Kurzberatung: (bis drei Kontakte) für jene Personen, deren psychosoziale Probleme nach der Haft voraussichtlich gut eingrenzbar sind und mit diesem begrenzten Aufwand ausreichend bearbeitet werden können
- Entlassungsbegleitung: durchgehende Betreuung von "drinnen" nach "draußen". Sie beginnt optimalerweise drei bis sechs Monate vor der Entlassung und dauert bis zu sechs Monate danach an. Zielgruppe sind jene Insassen, bei denen zu befürchten ist, dass sie nach ihrer Entlassung eine psychosoziale Krise erleben werden (verbunden mit höherer Rückfallgefahr und geringeren Integrationschancen).
- Integrationsberatung: für jene Klienten, die auch nach Ablauf der Entlassungsbegleitung noch Betreuung benötigen.
Folder zum Thema als Download
Haftentlassenenhilfe
Aftercare (offered to persons released from prison)




