Informationen für Menschen, die von Gewalt betroffen sind
Gewalt ist allgegenwärtig. Trotzdem fühlt sich kaum einer von uns selbst bedroht. Aber jeder von uns kann Opfer von Gewaltkriminalität werden. Betroffene erhalten nicht immer eine angemessene Unterstützung durch ihr soziales Umfeld. Im Folgenden finden Sie Hinweise zum Umgang mit einer Gewalterfahrung und zu Hilfsangeboten.
Gewalt
Die unmittelbare Gewaltsituation
Vielleicht haben Sie sich in der Gewaltsituation ganz anders erlebt als normalerweise. Viele Menschen erleben die Situation als unwirklich, verlangsamt oder beschleunigt. Mitunter erleben sie die Gefahr aus der Position eines Außenstehenden und fühlen sich gar nicht von der Gewalt betroffen; sogar die Schmerzen spüren sie in diesem Moment noch nicht. Einige Menschen wissen nicht was eigentlich passiert. Das rührt daher, dass die Situation verrückt ist – nicht etwa Sie selbst.
Nach der Gewaltsituation
Betroffene zeigen meist Schocksymptome. Sie sind aufgeregt, verwirrt, traurig oder wütend oder auch wie betäubt. Dies kann einige Stunden oder Tage andauern.
Danach versuchen Betroffene wieder in ihr normales Leben zurückzufinden. Dabei kämpfen sie oft mit Wut, Angst, Selbstzweifeln und leiden an Schlafstörungen oder Depressionen. Wichtig ist, sich die Zeit zu nehmen, die man braucht. Viele Menschen erholen sich nach einigen Wochen von diesem schrecklichen Erlebnis.
Gewalt hat Folgen
Leider erholt sich nicht jeder Betroffene wieder. Dies hängt teils von der Schwere und näheren Umständen der Gewalterfahrung und von der Möglichkeit sich wieder sicher zu fühlen ab. Einige Menschen erleiden als Folge der seelischen Erschütterung und der Verletzung erhebliche gesundheitliche Schäden.
Besonders in der ersten Zeit werden sie sich noch sehr verändert erleben, doch im Laufe der Zeit gelingt es ihnen langsam, zu einem normalen Leben zurückzukehren.
Was ist ein psychisches Trauma?
Ein Trauma ist eine Wunde, eine Verletzung der Seele. Diese braucht Pflege und Zeit, um zu heilen. Traumata treten nach schrecklichen Ereignissen auf, denen Betroffene schutzlos ausgeliefert sind. Dieses Ohnmachtsgefühl kann dazu führen, dass die Erinnerung und die dazugehörigen Gefühle vermieden werden. Dies kann sogar eine Amnesie (Erinnerungslücke) für die unmittelbare Gewalterfahrung verursachen.
Welche Folgen können auftreten?
Opfer von Gewalttaten können an verschiedensten Beschwerden leiden, die sie selbst mitunter gar nicht mit dem Gewalterlebnis in Verbindung bringen. Dazu zählen:
- Schlafstörungen
- Albträume
- Flash-backs (ständiges nicht beeinflussbares Wiedererleben der Gewaltsituation)
- Depressionen
- Nervosität, Gereiztheit
- Angstzustände
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Beziehungsprobleme
Die Beschwerden sind meist wenig intensiv und hören nach einigen Wochen auf. Wenn nicht, kann das jedoch auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Langzeitfolgen hindeuten.
Fragen Sie sich deshalb von Zeit zu Zeit, ob es Ihnen besser geht und inwieweit sich Ihr Leben verändert hat.
Vorwürfe - Selbstvorwürfe
In der Auseinandersetzung mit der Gewalterfahrung fragen sich viele Menschen, wie man sie vermeiden hätte können und ob sie nicht selber Schuld oder Mitschuld haben. Auch Außenstehende (Nachbarn, Freunde, Kollegen, Familie) beschuldigen aus Hilflosigkeit oft den Betroffenen. Das ist für die Betroffenen sehr belastend und löst schwere Selbstzweifel aus. Auch sogenannte gute Ratschläge sind indirekte Beschuldigungen.
Die Verantwortung für das Gewalterlebnis hat aber der Täter zu tragen!
Verarbeitungsstrategien
Nach einer Gewalterfahrung brauchen Sie Zeit zur Erholung. Achten Sie darauf, dass Sie sich sicher fühlen können. Reden Sie mit Menschen, denen Sie wirklich vertrauen.
Einige Betroffene werden von Erinnerungen sehr belastet, andere vermeiden es, an den Vorfall zu denken. Versuchen Sie den Mittelweg dazwischen zu finden. So können Sie das Erlebnis verarbeiten, ohne sich selbst zu überfordern.
Wann ist Hilfe nötig?
Wenn Sie mit der Situation überfordert sind, lassen Sie sich helfen! In einem kostenlosen Beratungsgespräch helfen Ihnen erfahrene Mitarbeiter(innen) der Opferhilfe festzustellen, welche Unterstützungen für Sie sinnvoll sind.
Oft kann Ihnen das „darüber Reden" helfen, für sich selbst die Situation klarer zu sehen. Dies wird uns in der täglichen Arbeit von unseren Klienten bestätigt. Zudem hilft das Wissen um die rechtlichen Möglichkeiten, sich besser auf das eventuell anstehende Behördenverfahren vorzubereiten und Ihre Ansprüche zu sichern.
Wer kann helfen?
Juristische Beratung durch Rechtsanwälte erhalten Sie unter dem Notruf für Opfer (0800 112 112).
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